Allgemeine Grundlagen
Das offizielle Antragsformular findet sich hier: https://esta.cbp.dhs.gov/.
Liste der am Programm teilnehmenden Staaten
Diese Möglichkeit des visumsfreien Reisens (Visa Waiver Program) bieten die USA natürlich nur ausgewählten Staaten. Eine aktuelle Liste (Stand: 7.10.2025) findet sich hier: https://www.dhs.gov/visa-waiver-program.
Um in das Programm aufgenommen zu werden, muss ein Staat bestimmte Voraussetzungen erfüllen. So muss sich der Staat z. B. den USA gegenüber verpflichten, seine (ggf. auch ehemaligen) Staatsbürger wieder zurückzunehmen, sollte dies US-seitig angeordnet werden (repatriation of aliens), er muss maschinenlesbare Reisepässe ausgeben und es darf die Ablehnungsrate für US-Besuchervisa eine bestimmte Schwelle nicht überschreiten, grob gesagt, sie darf im letzten Steuerjahr nicht mehr als 3 % betragen.
Die ersten Staaten, die in das Programm aufgenommen wurden, waren Japan und das Vereinigte Königreich (Juli 1988), es folgten, im Juli 1989, Frankreich, die Schweiz, Schweden, Deutschland, Italien und die Niederlande. Derzeit erfüllen 42 Staaten die Voraussetzungen für das Visa Waiver Program.
Gesetzliche Grundlage
Seine Ausgestaltung findet das Programm insbesondere in 8 USC § 1187 und in 8 CFR § 217.
Gültigkeit
Nach 8 USC § 1187(h)(3)(C)(1) soll eine einmal erteilte Reisegenehmigung nicht länger als drei Jahre gültig sein. In 8 CFR § 217.5(d)(1) ist dann festgelegt, dass sie ab Erteilung zwei Jahre gültig ist bzw. maximal für die Gültigkeitsdauer des Reisepasses.
Eine neue Genehmigung muss gem. 8 CFR § 217.5(e) beantragt werden, wenn der Inhaber einer „gültigen” Genehmigung
- einen neuen Reisepass bekommt,
- seinen Namen ändert,
- sein Geschlecht ändert,
- seine Staatsbürgerschaft ändert oder
- sich die Umstände, die Sicherheitsfragen betreffend, geändert haben.
„New travel authorization required. A new travel authorization is required if any of the following occur:
(1) The alien is issued a new passport;
(2) The alien changes his or her name;
(3) The alien changes his or her gender;
(4) The alien’s country of citizenship changes; or
(5) The circumstances underlying the alien’s previous responses to any of the ESTA application questions requiring a ‘yes’ or ‘no’ response (eligibility questions) have changed.“
Sicherheitsfragen
Die Genehmigung des Antrags hängt wesentlich davon ab, dass alle Sicherheitsfragen – also u. a. Fragen nach Vorstrafen, Drogendelikten, ansteckenden Krankheiten etc. – mit „Nein“ beantwortet werden. Auch nach früheren Visumsablehnungen wird gefragt.
Arbeit
Auch ist es im Rahmen des Visa Waiver Program grundsätzlich nicht erlaubt, einer bezahlten oder unbezahlten Tätigkeit, die als Arbeit gelten könnte (gainful employment), nachzugehen. Nur in wenigen Ausnahmefällen ist Arbeit ohne spezielles Arbeitsvisum erlaubt.
Sobald Ihre Reise nicht mehr klar vom Visa Waiver Program gedeckt ist, sollten Sie das passende Vorgehen mit einem Anwalt für US‑Visa abstimmen.
Weitere wichtige Ausnahmen – doppelte Staatsbürgerschaft, bereiste Länder
Disqualifizierende Staatsbürgerschaft
„ESTA“ kann nicht beantragen, wer (auch) die Staatsbürgerschaft des Irans, Iraks, Sudans, von Kuba, Nordkorea oder Syrien hat.
Disqualifizierende Reisen
Auf Grundlage des Visa Waiver Program Improvement and Terrorist Travel Prevention Act of 2015 kann ESTA ebenfalls nicht beantragen bzw. erhalten, wer Länder besucht hat, die vom U.S. Department of State als State Sponsor of Terrorism (https://www.state.gov/state-sponsors-of-terrorism) qualifiziert wurden. Derzeit sind dies Kuba, Nordkorea, Iran und Syrien. Gesondert von dieser Einstufung bestimmte das U.S. Department of State am 18. Februar 2016, dass auch vorherige Reisen nach Libyen, Somalia und in den Jemen für visumsfreies Reisen in die USA disqualifizieren (https://www.dhs.gov/archive/news/2016/02/18/dhs-announces-further-travel-restrictions-visa-waiver-program). Gesetzlich geregelt ist dies in 8 USC 1198(a)(12)(A)(ii) (s. u.).
Grundsätzlich ist ein Aufenthalt in den genannten Ländern ab dem 1. März 2011 schädlich. Im Hinblick auf Kuba ist unklar, Aufenthalte ab welchem Zeitpunkt disqualifizieren. In die Liste terrorfinanzierender Länder wurde Kuba am 12. Januar 2021 aufgenommen. Reisen nach bzw. Aufenthalten in Kuba vor diesem Datum sollen einerseits die Möglichkeit zu visumsfreien Reisen in die USA nicht beeinträchtigen, wie sich aus Verlautbarungen des U.S. Department of State
„Under the Visa Waiver Program Improvement and Terrorist Travel Prevention Act of 2015, travelers in the following categories […] are no longer eligible to travel under the Visa Waiver Program (VWP):
- Nationals of VWP countries who have traveled to or been present in Democratic People’s Republic of Korea, Iran, Iraq, Libya, Somalia, Sudan, Syria, or Yemen on or after March 1, 2011 (with limited exceptions for travel for diplomatic or military purposes in the service of a VWP country).
- Nationals of VWP countries who have traveled to or been present in Cuba on or after January 12, 2021 (with limited exceptions for travel for diplomatic or military purposes in the service of a VWP country).“
und des U.S. Department of Homeland Security
„The U.S. Department of State designated Cuba as a State Sponsor of Terrorism (SST) on January 12, 2021.
With limited exceptions, a traveler who is found to have visited Cuba on or after this date is not eligible for travel under the Visa Waiver Program (VWP) using an Electronic System for Travel Authorization (ESTA) and must apply for a visa to travel to the United States.
Additionally, a traveler who at the time of application for an ESTA holds dual nationality with both a VWP country and Cuba is not eligible for travel under the VWP using an ESTA and must apply for a visa to travel to the United States.“
ergibt. Andererseits fragt das Antragsformular für ESTA auch bei Kuba nach Aufenthalten ab dem 1. März 2011 und liest sich auch 8 USC § 1187(a)(12)(A) so, dass auch für Kuba bzw. andere, neu hinzukommende Länder, Stichtag der 1. März 2011 sein soll:
„Except as provided in subparagraphs (B) and (C) –
(i) the alien has not been present, at any time on or after March 1, 2011 –
(I) in Iraq or Syria;
(II) in a country that is designated by the Secretary of State under section 4605(j) 2 of title 50 (as continued in effect under the International Emergency Economic Powers Act (50 U.S.C. 1701 et seq.)), section 2780 of title 22, section 2371 of title 22, or any other provision of law, as a country, the government of which has repeatedly provided support of acts of international terrorism; or
(III) in any other country or area of concern designated by the Secretary of Homeland Security under subparagraph (D) […].“
(ii) regardless of whether the alien is a national of a program country, the alien is not a national of –
(I) Iraq or Syria;
(II) a country that is designated, at the time the alien applies for admission, by the Secretary of State […] as a country, the government of which has repeatedly provided support of acts of international terrorism; or
(III) any other country that is designated, at the time the alien applies for admission, by the Secretary of Homeland Security under subparagraph (D).“
Im Zweifel sollten Sie also ein Visum beantragen, wenn Sie nach dem 1. März 2011 in Kuba waren, und nicht das Programm für visumsfreies Reisen nutzen.
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Rückflug
Ferner hängt eine ESTA-Genehmigung u. a. davon ab, dass ein Rückflug, d. h. ein Flug aus den USA heraus in einen Drittstaat gebucht wurde. Der Drittstaat muss nicht der Heimatstaat sein, er darf aber auch nicht ein contiguous territory oder eine adjacent island sein, also, grob gesagt, der Rückflug (als Endpunkt der Reise) darf nicht nach Mexiko, Kanada oder in die Karibik führen.
Die Bestimmungen in 8 CFR § 212.0 und 22 CFR § 41.0 definieren die adjacent islands wie folgt:
„Adjacent islands means Bermuda and the islands located in the Caribbean Sea, except Cuba.“
Etwas konkreter ist INA 101(b)(5) bzw. 8 USC § 1101(b)(5), wo es heißt:
„The term ‚adjacent islands‘ includes Saint Pierre, Miquelon, Cuba, the Dominican Republic, Haiti, Bermuda, the Bahamas, Barbados, Jamaica, the Windward and Leeward Islands, Trinidad, Martinique, and other British, French, and Netherlands territory or possessions in or bordering on the Caribbean Sea.“
Die wohl genaueste Auflistung findet sich dann im Abschnitt, in dem es um die Gebühren (8 CFR § 286.1):
„The term adjacent islands means Anguilla, Antigua, Aruba, Bahamas, Barbados, Barbuda, Bermuda, Bonaire, British Virgin Islands, Cayman Islands, Cuba, Curacao, Dominica, the Dominican Republic, Grenada, Guadeloupe, Haiti, Jamaica, Marie-Galante, Martinique, Miquelon, Montserrat, Saba, Saint Barthélemy, Saint Christopher, Saint Eustatius, Saint Kitts-Nevis, Saint Lucia, Saint Maarten, Saint Martin, Saint Pierre, Saint Vincent and Grenadines, Trinidad and Tobago, Turks and Caicos Islands, and other British, French and Netherlands territory or possessions bordering on the Caribbean Sea.“
Ausnahme
Ein Rückflugticket benötigt nicht, wer über Land in die USA einreist, wie sich aus 8 CFR § 217.2(c)(2) ergibt:
„Any Visa Waiver Program applicant arriving at a land border port of entry must provide evidence to the CBP officer of financial solvency and a domicile abroad to which the applicant intends to return. An applicant arriving at a land border port of entry will be charged a fee as prescribed in § 103.7(d)(5) of this chapter for issuance of Form I-94W, Nonimmigrant Visa Waiver Arrival/Departure Form. A round-trip transportation ticket is not required.“
Die genannte Gebühr beträgt derzeit USD 6.
Aufenthaltsdauer
Grundsatz
Auch darf der Aufenthalt 90 Tage nicht überschreiten; er ist grundsätzlich nicht verlängerbar.
Einmalige Verlängerung (nur) in Notfällen möglich
Sollte die Ausreise aufgrund eines Notfalls nicht möglich sein, kann von einem lokalen Büro der USCIS (einmalig) eine 30tägige Zusatzfrist gewährt werden, ohne dass dies zu einem Overstay, d. h. einem illegalen Aufenthalt, der für künftige visumsfreie Reise disqualifizieren würde, führte (s. 8 CFR § 217.3(a)) (satisfactory departure):
„Satisfactory departure. If an emergency prevents an alien admitted under this part from departing from the United States within his or her period of authorized stay, the district director having jurisdiction over the place of the alien’s temporary stay may, in his or her discretion, grant a period of satisfactory departure not to exceed 30 days. If departure is accomplished during that period, the alien is to be regarded as having satisfactorily accomplished the visit without overstaying the allotted time.“
Ausflüge nach Mexiko, Kanada oder in die Karibik
Wichtig in diesem Zusammenhang ist nun auch, dass Aufenthalte in Mexiko, Kanada oder auf den adjacent islands zu den 90 Tagen hinzugerechnet werden. Wer also in die USA reist, dort 50 Tage bleibt, dann eine 30-tägige Reise in die Karibik macht, darf dann nur noch für 10 Tage in die USA zurück (s. 8 CFR § 217.3(b)).
Ein erneut bis zu 90-tägiger Aufenthalt wäre grundsätzlich erlaubt für Reisende, die nach mehr als 90 Tagen, nachdem sie visumsfrei in die USA gereist sind, von Mexiko, Kanada oder den adjcent islands zurückkehren – vorausgesetzt, der Grenzbeamte lässt sie ein. Worauf er bei seiner Entscheidung (u. a.) achten soll, findet sich in 9 FAM 201.1-4(C)(e)(3)(d), dort ist zu lesen:
„If the return trip from Canada, Mexico or the adjacent islands to the United States occurs more than 90 days after the traveler’s initial VWP admission to the United States, the traveler must be able to show that their intent in returning to the United States is not to circumvent the immigration law.“
Kein Anspruch auf Einreise
Die Erteilung einer elektronischen Reisegenehmigung vermittelt keinen einklagbaren Rechtsanspruch auf Einreise; sie erlaubt nur, die Reise (mit einem autorisierten Transportunternehmen) antreten und an der US-Grenze um Einlass bitten zu dürfen, wie sich aus 8 CFR § 217.5(f)(1) ergibt:
„An authorization under ESTA is a positive determination that an alien is eligible, and grants the alien permission, to travel to the United States under the VWP and to apply for admission under the VWP during the period of time the travel authorization is valid. An authorization under ESTA is not a determination that the alien is admissible to the United States.“
Die Entscheidung des Grenzbeamten bei der Einreise ist gerichtlich nicht überprüfbar (8 USC § 1887(b), auf etwaige Rechte dieser Art muss der Antragsteller im Vorfeld explizit verzichten:
„An alien may not be provided a waiver under the program unless the alien has waived any right –
(1) to review or appeal under this chapter of an immigration officer’s determination as to the admissibility of the alien at the port of entry into the United States, or
(2) to contest, other than on the basis of an application for asylum, any action for removal of the alien.“
Auch die Erteilung von ESTA selbst ist gerichtlich nicht überprüfbar, 8 USC § 1887(h)(3)(c)(iv) (und 8 CFR § 217.5(f)(1)) gibt:
„Notwithstanding any other provision of law, no court shall have jurisdiction to review an eligibility determination under the System.“
Grundsätzlich kann nur durch die Beantragung eines Visums überprüft werden, ob die Gründe für die „ESTA-Ablehnung“ stichhaltig waren oder nicht, 8 USC § 1187(g):
„Visa application sole method to dispute denial of waiver based on a ground of inadmissibility
In the case of an alien denied a waiver under the program by reason of a ground of inadmissibility described in section 1182(a) of this title […] the alien may apply for a visa at an appropriate consular office outside the United States. There shall be no other means of administrative or judicial review of such a denial, and no court or person otherwise shall have jurisdiction to consider any claim attacking the validity of such a denial.“
Hinweis
ESTA nutzen kann nur, wer mit einem commercial vessel or commercial aircraft engaged in transporting passengers to the United States from a foreign place bzw. einem signatory carrier in die USA reist. Wer also mit einem Privatflugzeug oder einer privaten Yacht die USA (einem non-signatory carrier) ansteuern möchte, muss vorher ein Besuchervisum (Kategorie B-1, B-2 oder B-1/2) beantragen.
